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epicatc |
Published
Jun 25 2006, 01:03 AM
Wenn wir am Kartenspielen sind, egal ob
live oder online, so ist es als Pokerspieler unsere Verpflichtung mit
der Information, die wir preisgeben, vorsichtig umzugehen. Wir wollen
die volle Information erfassen, doch die Anderen dabei nur so wenig
wie möglich von uns wissen lassen. Wir versuchen bei unseren Wetten
vorhersehbare Muster zu vermeiden und sollten es auch vermeiden mit
unseren Worten und unserem Verhalten irgendwelche Andeutungen auf
unser Blatt zu geben. Doch ein essentieller Teil dieser Information
eines online Pokerspiels wird oft vergessen. Ich meine damit das
Timing.
Wenn ich nun von Timing spreche, so
meine ich damit nicht, dass man weiß zu welchem Zeitpunkt man im
Spiel einen Gang hochschaltet oder weiß an welchem Punkt in einem
Turnier man einen „Coin Flip" macht, und wann nicht. Diese Dinge
sind sicherlich auch wichtig, doch ich spreche vom Timing im
wortwörtlichen Sinne.
Online gibt es nur wenige
Verhaltensweisen, die uns wissen lassen woran wir sind. Wir können
die nervösen Angewohnheiten der Gegenspieler nicht sehen: keine
Bewegungen, kein Zucken, kein verstecktes Grinsen oder Stirnrunzeln.
Wir basieren unsere Entscheidungen auf sich wiederholende Aktionen,
so wie die Schemas von Wetteinsätzen mit Situationen zusammenhängen.
Wie zum Beispiel jemand gewöhnlich eine Straße oder ein gewisses
anderes Blatt spielt. Es versteckt sich jedoch noch eine weitere
Information im Verhalten eines Spielers: Die Geschwindigkeit mit der
ein Gegenspieler seinen Wetteinsatz macht.
Obwohl gute Spieler sich für
gewöhnlich daran erinnern ihre Wetteinsatz-Muster zu ändern, so
achten sie aber meistens nicht darauf mit welcher Geschwindigkeit sie
setzen. Das kann Ihnen einen brauchbaren Vorteil einräumen. Zum
Beispiel ist mir aufgefallen, dass viele eher „loose" spielende
Spieler für gewöhnlich bei einem „Continuation Bet" sofort
mitgehen oder auch sofort bluffen, wenn sie gegen einen „tighten"
Spieler antreten. Wenn sie aber ein gutes Blatt hätten, so würden
sie vermutlich erstmal ein, zwei Sekunden darüber nachdenken.
Andererseits passiert es guten Spielern oft, dass diese bei einem
guten Blatt zu aufgeregt werden und so in jeder Runde sofort ihre
Wetteinsätze losfeuern.
So wie immer muss man die „Showdowns",
die man bereits miterlebt hat, dafür verwenden um zu erfahren welche
Geschwindigkeit mit welchem Blatt zusammenhängt. Sobald man das aber
einmal durchschaut hat, so hat man ein sehr wertvolles Stück
Information gesammelt und können dies bei jedem Blatt anwenden,
wobei die meisten Spieler noch dazu niemals daran denken ihre
Verhaltensmuster zu ändern.
Es gibt noch einen anderen eher
weitverbreiteten Weg, um sich die Geschwindigkeit eines Wetteinsatzes
zu Nutze zu machen. Nehmen wir an Sie sind in der SB-Position mit
einem schwachen/tighten Spieler in der BB-Position. Sie „limpen"
und er geht sofort mit - man kann sogar mit großer Gewissheit
sagen, dass er das „check/fold"-Kästchen schon ausgewählt
hatte, bevor Sie überhaut gesetzt haben. Wenn der Flop für Sie
günstig ausfällt, so setzen Sie das Maximum. Für gewöhnlich
werden Sie den Pott gewinnen. Er könnte ein paar Sekunden gewartet
haben um zu sehen, was Sie tun, doch er hat so aus Faulheit die
Stärke seines Blattes verfrüht verraten und Ihnen im Grunde gesagt,
dass der Pot Ihnen gehört. Ist dies zu 100% gewiss? Natürlich
nicht, doch es ist ein weiter Teil an hilfreicher Information in
Ihrem Arsenal und was das Einschätzen des Gegenspielers betrifft, so
liegt man damit öfters richtig als falsch.
Wie könnte eine Situation aussehen, wo
Sie durch zeitliche Misswirtschaft beim Platzieren der Wetten Ihr
Blatt verlieren? Hier ein Beispiel von vor ein paar Tagen: Ich
spielte an einem SNG in der Dealer-Position, hatte 99 und setzte
„limp" (aus spezifischen Gründen dieses Spiels). Der Spieler in
der SB-Position legte seine Karten nieder und der BB-Spieler ging
mit. Zwar spielte dieser generell eher „loose", doch wenn man ihn
einmal weiter erhöhte, so neigte er dazu Blätter niederzulegen, bei
denen er vorher hoch gesetzt hatte. Der Flop wurde D34 und er stürzte
sich auf den Pot, welcher mittlerweile auf Grund der hohen Blinds
eine beachtliche Höhe hatte. Ich schaute mir den Blatt-Verlauf an
und stellte fest, dass er für gewöhnlich auch bei mittelmäßigen
Karten hoch setzte, dann aber wenn jemand weitererhöhte seine Karten
niederlegte. Die als Hintergedanken und noch dazu die Überlegung,
dass falls ich ihn zum Niederlegen bringen würde, ich auf den 2.
Platz kommen würde, so setzte ich hoch. Er dachte eine lange Zeit
nach und ging dann mit D5 mit. Hätte ich sofort gesetzt so hätte er
vermutlich niedergelegt... wir werden dies aber niemals erfahren. Da
ich aber 30 Sekunden damit verbrachte mir den Blatt-Verlauf
anzusehen, so schien es ihm als hätte ich keine D und wäre mir
nicht sicher was ich tun sollte. Da ich meine Wette nicht zur
richtigen Zeit setzte, machte ich in diesem Spiel Pleite. Hätte ich
allerdings in diesem Fall KK gehabt, so hätte ich durch diese 30
Sekunden das Doppelte verdient.
Hier noch eine weite Möglichkeit wie
man die Setz-Geschwindigkeit zu seinem Vorteil benutzen kann: Wenn
Sie ein gutes Blatt haben, dann übertreiben Sie am Besten. FALLS Sie
also ein starkes Blatt haben, so seien Sie nicht zu bequem:
Schauspielern Sie, täuschen Sie vor. Falls Sie ein Blatt haben, mit
dem sie zu 95% gewinnen, wie ein Flush oder ein Full-House, dann
sollten Sie bedenken, dass wenn Sie zu schnell reagieren, Sie dadurch
vermutlich die Gegenspieler abschrecken. Wirklich, die
Geschwindigkeit mit der Sie bei starken Blättern Ihre Einsätze
bringen, kann leicht den Unterschied machen ob Sie gewinnen oder
verlieren. Es ist unbedingt nötigt sich mit starken Blättern den
höchst möglichen Gewinn herauszuholen. So lohnt es sich erst einmal
15 oder 20 Sekunden vergehen zu lassen, damit es so aussieht als ob
man am nachdenken ist, speziell wenn die Gegenspieler bereits erhöht
haben.
Wie kann man es vermeiden sich durch
die Setz-Geschwindigkeit zu verraten? Eine gute Methode ist es immer
eine festgesetzte Zeit zu warten bevor man irgendeine Aktion
unternimmt. Sagen wir 10 oder 15 Sekunden. Stellen Sie sich die
Stoppuhr Ihres Mobiltelefons so, dass sie nach einer gewissen Zeit
abläuft und gewöhnen Sie sich daran immer so lange zu warten. Auf
lange Sicht gesehen kann es auf jedem Fall nicht schaden Ihren
Gegenspielern eine Informationsquelle über Sie abzudrehen. Das ist
eine der Techniken, die Andy Beal in seinen Heads-Up Wettkämpfen
gegen Pokerprofis eingesetzt hat.
Dadurch das man beim Onlinepoker keine
Körpersprache der Gegenspieler lesen kann so wie in
Live-Pokerspielen, gewinnt jedes bisschen an Information über die
Gegner enorm an Wert. Als ich begann Poker zu spielen habe ich immer
total auf meine Setz-Geschwindigkeit geachtet. Nachdem ich schon ein
paar tausend Spiele hinter mir hatte, begann ich damit nachlässig zu
werden, da ich mir dachte es würde ohnehin niemand bemerken. Als ich
mich schließlich selbst dazu zwang mir wieder dabei Mühe zu geben
und ich mir immer wieder in Gedanken rief, wie dumm es doch von mir
war nicht ALLES zu tun, was in meiner Macht lag um zu gewinnen, dann
erst viel mir auf wie viel Geld ich bereits durch meine
Nachlässigkeit verloren hatte. Lassen Sie nur keine Spielmarken am
Tisch zurück und bedenken Sie: Die Zeit soll auf Ihrer Seite sein!